Donaueschingen, 17. Juli 2014

OB Erik Pauly würdigt langjährige Gemeinderäte. Abschied vom Ratstisch für acht Stadtpolitiker.

Gestern Abend auf der Ehrungsbühne der Kommunalpolitiker: (v.l.n. r.) Johannes Fischer, Sigrid Zwetschke, Reinhard Merkle, Michael Klotzbücher, Wolfgang Karrer, Gottfried Vetter links neben OB Pauly, dann Karlheinz Bäurer, Christian Kaiser, Gisela Rösch und Konrad Hall.

Bild: Südkurier

zum Bericht im Südkurier

Oft genug ist Donaueschingen Stadtpolitiker-Klasse als Ideal des gleichermaßen konstruktiven wie kollektiven Wetteiferns um „das Beste“ für die Stadt gepriesen worden. Gestern Abend einmal standen viele Akteure dieses Zirkels auf der Bühne. Viele von ihnen an Jubiläums-Marken ihres Engagements, an Stationen „runder Ratsgeburtstage“, acht von ihnen aber auch am öffentlichen Abschiedsbahnhof aus dem oft langjährigen Kommunalpolitiker-Dasein.

Und da war es dann auch wieder, jenes Donaueschinger Wir-Gefühl der Stadt-Mitgestalter, die Feierabend unf Freizeit opfern und für diesen Idealismus nun förmliche Anerkennung erfuhren. Ein familiärer Abend im Strawinsky-Saal der Donauhallen, zu dem Oberbürgermeister Pauly seine Amtskette anlegte, Stadträte oft auch mit Familie und gar Freundeskreis anreisten, den das Saxophon-Ensemble der Musikschule mit Musik garnierte und zu dessen Nachspann sich die zweihundert Besucher um Bistro-Tische gruppierten.

Dabei auch die Ehrenbürger Everke und Bühler. Und übrigens auch Björn Klotzbücher, Sohn des mit dem Wappenring ausgezeichneten langjährigen Stadtrat Michael Klotzbücher, der zuletzt als OB-Kandidat dort vor dem Publikum stand.

Appell zum „Weiter genau so“

Die „Rede des Abends“ sah die Regie weit hinten im Programm vor. Die Fraktionssprecherin der GUB und Richterin Claudia Jarsumbek hielt sie, schritt zur Selbstbetrachtung der Spezies Gemeinderat. Und korrigierte das landläufige Image, wonach die bloße Präsenz bei Sitzungen oder bei ein paar Generalversammlungen schon das komplett erschöpfende Pensum seien. Hinter diesem Trugbild – so auch Claudia Jarsumbeks Appell für ein „Weiter so!“ stünde viel erarbeitete Kompetenz, Überzeugungsarbeit, auch Kompromisfähigkeit. Nur mit diesen Werte und dem beharrlichen Bemühen um Konsens ohne Egoismen sei die gute Zukunft der Stadtpolitik gesichert.Dass Kommunalpolitik freilich auch spannendes Erlebnis ist, das sagte die langjährige Gemeinderätin Gisela Rösch in ihrem abschließenden Dank für die Feier. Und erzählte Anekdotisches aus ihren zwei Jahrzehnten emsiger Mitwirkung – bunte kurze Kapitel charakteristischer Erlebnisse.Mit dem immer wieder aufblitzenden, fast bübischen Charme des Neulings im Kommunalpolitik-Milieu sah sich OB Pauly dann in der schwierigen Aufgabe, als Newcomer vieljährige Lebenswerke referieren zu müssen. Und würdigte die Kaste seiner Stadtpolitik-Wegbegleiter zuerst einmal, wies auf das oft unterschätzte Maß an Belastung und Aufwand hin, das „ohne eine Portion Idealismus“ gar nicht möglich sei. Allemal lohnend aber sei das Engagment, gestalte man in der Kommunalpolitik doch unmittelbar die Lebensverhältnisse der Mitbürger. Viel konkreter lesbar seien die Ergebnisse als auf anderen Politik-Etagen.

 

Deshalb, so Pauly, „kann ich auch meinen Vorgänger nicht ganz verstehen“ mit seinem Wechsel nach Berlin. Auch Pauly rühmte die speziellen Qualitäten des Donaueschinger Gemeinderates einmal mehr: „Ein gutes, sachliches, kreatives Miteinander“ existiere da. Dokumentiert werde das auch an lesbaren Ergebnissen einer lebenswerten Stadt, die sich auf allen Feldern gut entwickle. Die großen Ziele der Zukunft: die

Konvesion freilich, aber auch eine Initiative im Tourismus und ambitioniertes Arbeiten am Erfolg der Donauhallen.

Dann die Ehrungsliste (siehe Kasten unten). In der hochkarätigsten Disziplin die Gemeindetags-Würdigung für 25 Jahre im Gemeinderat. Als dienstälteste Rätin mit 27 Jahren am Ratstisch würdigte Pauly Sigrid Zwetschke, die auch OB-Stellvertreterin ist und der besonders Familienpolitik am Herzen liege. 25 Jahre im Gemeinderat, sieben Jahre Fraktionsvorsitzende der GUB und viele Jahre Stadtverbands-Lenkerin – für diese Bilanz gab's Anerkennung für die (nicht anwesende) Claudia Weishaar. Karlheinz Bäurer und Reinhard Merkle hätten über 25 Jahr nicht nur die Interessen der Stadt, sondern auch ihrer Ortsteile Aasen und Heidenhofen gut vertreten.

Durchweg Paulys Bestnote für außergewöhnliches Engagement und Kompetenz schließlich für fünf Ratsmitglieder mit zwei Jahrzehnten Mitwirkungs-Ära: An Johannes Fischer, der ebenfalls OB-Stellvertreter ist und damit in repräsentativen Rollen Präsenz-Fleiß zeige. An Christian Kaiser, dessen beharrliche Kompetenz-Tiefe die Verwaltung oft fordere. An Michael Klotzbücher, der ein vielfältiges „liberales“ Lebenswerk hinter sich hat und ein „Meister der kritischen Analyse und ironischen Rede“ war.

An Gisela Rösch für ihren Marathon öffentlicher Engagments im Gemeinderat, bei der CDU, im Kirchbauverein. An Gottfried Vetter für eine große Leistung als Gemeinderat und Pfohrens Ortsvorsteher. Und schließlich für die Fraktionssprecher Konrad Hall von der CDU und Wolfgang Karrer von der SPD, die beide ein hohes Maß an (beruflicher) Kompetenz und auch Ehrenamts-Engagements etwa im Kinder- und Jugendmuseum oder bei den Drachentagen einbringen.